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Wenn weniger UI mehr Produkt bedeutet

Eine weitere Einstellung, ein zusätzlicher Button, noch eine Ansicht. Jede Funktion lässt sich hinzufügen. Interessanter ist häufig die Frage, was eine Oberfläche nicht braucht.

Oberflächen werden selten auf einen Schlag kompliziert. Meist passiert es in kleinen, nachvollziehbaren Schritten.

Ein Button spart einen Umweg. Eine Einstellung gibt Nutzern mehr Kontrolle. Ein Filter hilft in einem Sonderfall. Jede einzelne Entscheidung lässt sich begründen. Und trotzdem kann am Ende ein Produkt entstehen, bei dem niemand mehr sofort erkennt, was eigentlich wichtig ist.

UI ist kein Inventar aller Möglichkeiten

Eine Oberfläche muss nicht jede technische Fähigkeit des Systems sichtbar machen.

Das klingt banal, ist aber eine der nützlichsten Grenzen im Produktdesign. Nur weil eine Information vorhanden ist, braucht sie keinen dauerhaften Platz. Nur weil eine Aktion möglich ist, braucht sie keinen eigenen Button auf der ersten Ebene.

Gute UI priorisiert. Sie entscheidet, was im aktuellen Kontext relevant ist und was warten darf.

Verstecken ist nicht automatisch vereinfachen

Weniger sichtbare UI bedeutet allerdings nicht, alles in Menüs zu verschieben.

Eine wichtige Funktion bleibt wichtig, auch wenn sie hinter drei Punkten versteckt wird. Schlechte Informationsarchitektur wird durch Minimalismus nicht besser.

Reduktion funktioniert nur, wenn die Struktur des Produkts klar ist. Dann kann Oberfläche verschwinden, weil sie nicht mehr erklären muss, wie die Teile zusammengehören.

Defaults sind Design

Ein gutes Default kann mehr vereinfachen als ein neues Einstellungsmenü.

Wenn das Produkt in den meisten Fällen eine vernünftige Entscheidung trifft, müssen Nutzer nur noch dort eingreifen, wo ihre Situation wirklich anders ist.

Das bedeutet nicht, Kontrolle zu entziehen. Es bedeutet, nicht jede Entscheidung vor der Nutzung an die Person zurückzugeben.

Ruhe ist funktional

Visuelle Ruhe ist nicht nur Ästhetik. Sie verbessert Priorisierung.

Wenn alles einen Rahmen, eine Farbe, ein Icon und einen Hover-Effekt bekommt, konkurriert alles miteinander. Wenn nur wichtige Elemente visuelles Gewicht bekommen, wird die Oberfläche verständlicher, ohne dass ein Tutorial nötig ist.

Weniger UI ist deshalb nicht automatisch besser. Aber jede sichtbare Komponente sollte einen Grund haben, sichtbar zu sein.

Das ist ein Maßstab, den ich auch für SandsteinLabs selbst anlegen möchte.